17. April 2012

Was ist eigentlich … ein Edelstahl?

Beim Kauf einer neuen Küche soll es natürlich möglichst eine hochwertige Edelstahlspüle sein. Was verbinden wir also in aller Regel mit dem Begriff Edelstahl? Wir verbinden damit einen nicht rostenden, korrosionsbeständigen Stahl. Es mag viele überraschen, dass Edelstähle nichts mit Korrosionsbeständigkeit zu tun haben müssen. Wir wollen daher zwei Fragen beantworten: Wann ist ein Stahl rostfrei und wann ist ein Stahl „edel“?

Zur Klärung der Frage der Rostfreiheit lohnt sich ein Blick in das Besteckfach einer Küche. Etwas vereinfacht gesprochen kann man Besteck in drei Kategorien einordnen: „normal rostfrei“, „besonders korrosionsbeständig“ und „spülmaschinenfest“. In welche Kategorie ein Besteck einzuordnen ist, richtet sich im Wesentlichen danach, wie viel Chrom, Nickel und Molybdän der Stahl enthält, aus denen das Besteck gefertigt wurde.

Wie erkennen wir das am Besteck? Findet sich dort ein Löffel mit der Prägung 18/0, dann fällt er in die Kategorie „normal“. Er enthält 18% Chrom, was dafür sorgt, dass der Löffel unter normalen Umgebungsbedingungen nicht rostet. Die Küche hält aber nicht nur normale Umgebungsbedingungen bereit. Konzentrierter Zitronensaft wirkt z.B. wie eine schwache Säure und das Salzwasser, das wir zum Eierkochen benutzen, ist auch nicht unbedingt eine normale Umgebungsbedingung. Hier ist die Kategorie „besonders korrosionsbeständig“ besser geeignet, die wir am Besteck an der Prägung 18/10 erkennen. Das bedeutet, dass zu den 18% Chrom noch 10% Nickel hinzugekommen sind.

Gibt es in der Küche noch „härtere“ Umgebungsbedingungen als Salzwasser und Zitronensaft? Ja, die finden sich in der aggressiven Waschlauge der Spülmaschine. Besteck, das dem Spülautomaten dauerhaft gewachsen sein soll, benötigt neben Chrom und Nickel noch etwa 2-3% Molybdän sowie ein ganz klein wenig Titan oder Niob. Ein Hinweis auf das Molybdän findet sich allerdings nicht auf der Prägung des Bestecks, sondern in der Bezeichnung – „spülmaschinenfest“.

„Edel“ ist ein Stahl dann, wenn er besonders rein ist. Das bedeutet einerseits, dass sich in seinem Inneren möglichst wenig unerwünschte Ausscheidungen befinden. Dazu gehören z.B. Oxide, die bei der Stahlherstellung in die flüssige Schmelze geraten können oder auch Silikate, die beim Abgießen der Schmelze in den Stahl gelangen können. Andererseits ist ein Stahl dann „edel“, wenn er möglichst wenig von solchen Legierungselementen enthält, welche die Fachleute als „Stahlschädlinge“ bezeichnen – dazu gehören Phosphor und Schwefel. Edelstähle sind also Stähle hoher Reinheit und mit sehr geringen Gehalten von Schwefel und Phosphor; und Edelstähle können sehr wohl rosten, denn sie müssen keine großen Mengen von Chrom, Nickel oder Molybdän enthalten.

Wo werden Edelstähle eingesetzt? Zum einen da, wo es um besonders hohe Oberflächenqualität geht, und wo auf einer polierten Oberfläche selbst eine einzelne, winzige Ausscheidung störend auffällt. Zum anderen und vor allem dort, wo Stähle ständig wiederkehrenden Belastungen ausgesetzt sind und sich dadurch an Ausscheidungen Risse bilden könnten, die schließlich zum Versagen des Bauteils führen.

Warum verkauft aber nun das Küchenfachgeschäft seine Stähle als Edelstähle, obwohl sie gar keine Edelstähle sein müssen? Weil sich „edel“ einfach besser verkauft …

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