Mittwoch, 19. Oktober 2011, 12:21
König Hammurapi von Babylon ließ im Jahre 1800 vor Christus die Rechtssprechung seiner Zeit und seines Reiches in Stein meißeln. Der Codex Hammurapi ist eine der ältesten Gesetzessammlungen der Welt und regelte in 281 Paragraphen die verschiedensten Dinge des Lebens: Fragen zur Familie, zu Eigentum und Besitz, zu kaufmännische Angelegenheiten, zu Straftaten und zur Haftung. Letzteres kann man im weitesten Sinne als qualitätssichernde Maßnahme verstehen. Lesen wir doch mal „rein“:
§ 53 Wenn ein Mann es vernachlässigt hat, den Deich seines Feldes zu befestigen und er hat seinen Deich nicht befestigt; und an seinem Deich ist eine Öffnung entstanden, und er hat verursacht, dass das Wasser die Flur wegriss, so wird der Mann, an dessen Deich eine Öffnung entstanden ist, das Getreide, das er vernichtet hat, ersetzen.
§ 55 Wenn ein Mann seinen Graben zur Bewässerung geöffnet hat, hat aber seine Hände in den Schoß gelegt und so verursacht, dass das Feld seines Nachbarn vom Wasser fortgerissen wurde, so wird er seinem Nachbarn entsprechen Getreide zumessen.
§ 235 Wenn ein Schiffbauer für einen Mann ein Schiff abgedichtet hat und hat sein Werk nicht zuverlässig gemacht, und im selben Jahre ist jenes Schiff leck geworden; es hat einen Schaden bekommen, so wird jener Schiffbauer das Schiff einreißen und von seinem eignen Vermögen festmachen und das feste Schiff dem Eigentümer des Schiffes geben.
§ 218 Wenn der Arzt einem Manne mit dem Kupfermesser eine schwere Verletzung beigebracht und den Mann getötet hat, oder wenn er die Augenhöhle des Mannes so mit dem Kupfermesser geöffnet und das Auge des Mannes zerstört hat, so wird man seine Hände abschneiden.
§ 233 Wenn ein Baumeister für einen Mann ein Haus gebaut hat, sein Werk aber nicht haltbar gemacht und eine Wand ist eingefallen, so wird selbiger Baumeister von seinem eignen Gelde selbige Wand befestigen.
§ 229 Wenn ein Baumeister für einen Mann ein Haus gebaut hat, sein Werk aber nicht fest gemacht, und das Haus, das er gemacht hat, ist eingefallen und hat den Eigentümer des Hauses getötet, so wird jener Baumeister getötet.
Im gewissen Sinne also ist der Codex Hammurapi ein sehr präzise und unmissverständlich formuliertes Qualitätsdokument, freigegeben durch die oberste Leitung, mit klaren Regeln für Fälle, in denen Abweichungen von der Qualitätspolitik gefunden wurden.
In den letzten 4000 Jahren hat sich offensichtlich viel im Qualitätsmanagement getan – die Systeme sind heutzutage zertifiziert bzw. akkreditiert und dafür sind die Maßnahmen im Falle von Abweichungen weniger drakonisch …
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Kategorien: Qualitätsmanagement
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Kommentare (2)
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Von Michael Thode (Donnerstag, 26. April 2012, 14:43)
Hallo Herr Dr. Poschmann,
welch ein Zufall, ich habe gestern einen Vortrag zum Thema Qualitätsmanagement gehalten und immer wenn ich da kurz die geschichtliche Entstehung von Qualitätsmanagement anreiße, gehe ich auch auf diesen Codex ein - und heute finde ich durch Zufall Ihren Bolgbeitrag. :-)
Viele Grüße
Michael Thode -
Von Eisenmann (Montag, 24. Oktober 2011, 12:13)
Hallo Herr Poschmann, das nenne ich doch mal einen sehr gelungenen Beitrag. Oder soll ich lieber "ungewöhnlich" sagen, gelungen sind die Beiträge ja durch die Bank. Aber, dass sich noch jemand an den Codex Hammurapi erinnert – zumal in einem Werkstoff-Blog – das freut mich doch sehr.
Mehr davon und weiter so.
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